Frauen und Hautkrebs

Frau auf dem Fahrrad vor Sonnenuntergang

Frauen und Hautkrebs

In der Fachzeitschrift “International Journal of Womens Dermatology” erschien im März 2017  der Artikel „Skin cancer concerns particular to women“ [1].

Ich greife hier die besonders interessanten Aspekte dieses Übersichtsartikels heraus. Er liefert eine aktuelle und knappe Zusammenschau zu diversen Aspekten zum Thema Hautkrebs bei Frauen: Verbreitung, mögliche Ursachen, Diagnose- und Behandlungsmethoden und vorbeugende Maßnahmen werden angesprochen. Obwohl sich der Artikel auf die Situation in den USA bezieht, sind viele Aspekte auch für uns interessant. Wenn sich die Aussagen ganz speziell auf die USA beziehen, habe ich dies angemerkt.

Verbreitung

Die Erkrankungsrate bei Hautkrebs steigt weltweit weiter an. Sie übertrifft die Erkrankungsraten von Brust-, Prostata-, Lungen- und Dickdarmkrebs zusammen. Von den 2 bis 3 Millionen weltweiten Neuerkrankungen/Jahr an Nicht-Melanom-Hautkrebsarten sind Frauen unter 45 Jahren überproportional betroffen. Ebenso steigt die Melanomrate der Frauen unter 45 weiter an. Obwohl die Diagnose Hautkrebs für jeden eine schwere Bürde ist, scheinen Frauen davon noch stärker betroffen. Besonders für junge, alleinstehende Frauen sind die Gesundheit und das äußere Erscheinungsbild in dieser Lebensphase ganz besonders wichtig.

Ursachen

  • Vorgegebene innere Risikofaktoren: Heller Hauttyp, Krebsfälle in der Familie, genetischer Hintergrund, Hauterkrankungen.
  • Äußere Risikofaktoren: Sowohl der lebenslange „Kontakt“ mit der UV-Strahlung, als auch die intermittierende (starke und schwache Bestrahlung im Wechsel) Bestrahlung erhöhen das Hautkrebsrisiko. Das Melanomrisiko steigt besonders mit übermäßiger UV-Bestrahlung während der Kindheit. Bei den Nicht-Melanom-Hautkrebsarten spielt besonders die lebenslange Akkumulation eine Rolle.
  • Änderungen des Lebensstils: Während früher die vornehme Blässe als schick galt, haben sich im 20. Jahrhundert die Einstellungen gegenüber der Sonne geändert. Die Sonne galt nun als therapeutisches Mittel. In Mode kamen jetzt Freizeitaktivitäten an der frischen Luft, und der bezahlte Urlaub. Die neue Sport- und Badebekleidung erhöhte den Anteil der „nackten Haut“ der Frau von 18 % auf 47 %. Mit Erfindung des Bikinis wurde dies sogar auf 98 % gesteigert. Modemagazine ließen den braungebrannten Körper als wünschenswert erscheinen.
  • Sonnenstudios: Die Verbreitung der Sonnenstudios in den 1980 Jahren führte zu einem dramatischen Anstieg der UV-Belastung. Die häufigsten Nutzer waren junge Frauen aus bessergestellten Familien. Neben der Sonne stand ihnen nun eine zusätzliche UV-Quelle zur Verfügung. Dies führte zu einem Anstieg der Hautkrebsfälle.
  • Alkohol- und Zigarettenkonsum: Studien zeigten eine Assoziation zwischen Zigarettenkonsum oder Alkohol (besonders Weißwein oder Likör) und dem Risiko für Nicht-Melanom-Hautkrebsarten.
  • Inhaltsstoffe in Kosmetika: Zahlreiche chemische Substanzen kommen in Form von Hautcremes, dekorativer Kosmetik oder Deodorants in Kontakt mit der weiblichen Haut. Da die Vielzahl der Substanzen bei weitem nicht hinreichend untersucht ist, kann man eine Beteiligung am Hautkrebsgeschehen nicht ausschließen. Für Parabene z. B. vermutet man eine hormonähnliche Wirkung. Evtl. haben Parabene auch eine stimulierende Wirkung auf die Melanozyten.

Diagnose und Behandlung

Selbstuntersuchung

  • Die frühzeitige Erkennung von Hautkrebs verbessert ganz unzweifelhaft die Prognose, steigert die Überlebensrate und vermindert den therapeutischen Aufwand. Frauen entdecken besonders häufig Hautveränderungen an sich selbst, da sie generell ihrer Gesundheit mehr Aufmerksamkeit schenken. Hautveränderungen im Gesicht oder Extremitäten, also an Körperstellen, wo Hautkrebs besonders häufig auftritt, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit von Frauen selbst entdeckt.
  • Darüber hinaus suchen Frauen häufiger den Kontakt zu kompetenten Gesundheitspersonal und tauschen sich intensiver über gesundheitliche Probleme aus.
  • Frauen besuchen öfter Schönheitssalons, Friseur oder Massagesalons. Auch dort können Hautveränderungen auffallen.
  • Frauen haben meist ein besseres Wissen/Bewusstsein für die Risikofaktoren für Hautkrebs bzw. über die möglichen Sonnenschutzmaßnahmen.
  • Meist wissen sie auch besser Bescheid, nach welchen Kriterien man die Selbstuntersuchung nach Hautveränderungen durchführen sollte.

Ärztliche Diagnose

  • Der Goldstandard zur Untersuchung von Hautveränderungen sind nach wie vor die Biopsie und die histologische Analyse des Gewebes. Diese Untersuchung ist u. U. schmerzvoll und psychologisch belastend, ganz besonders für junge Frauen. In den letzten Jahren sind zahlreiche, schmerzfreie, nicht invasive Untersuchungsmethoden entwickelt worden, welche die Zahl der unnötigen Biopsien vermindern können. Zu nennen sind hier die Dermatoskopie, die Ganzkörper-Fotografie, die konfokale Mikroskopie, Verfahren zur multispektral Analyse (SIAscope, MelaFind), diagnostischer Ultraschall, mRNA Analyse der Hautstadien oder Smartphone Apps. Die diagnostische Effizienz all dieser neuen Methoden und die Barrieren bei ihrer Einführung bezüglich Kosten oder Schulung des Personals sind nach wie vor in der Diskussion.
  • Bei einer Tumortherapie steht die Entfernung des Krebsgeschwürs im Vordergrund der Erwartungen. Zunehmend gewinnen aber auch ästhetische Aspekte oder Möglichkeiten, die Angst zu reduzieren, an Bedeutung. Neue Operationstechniken wurden eingeführt wie z. B. Methoden zur elektrochirurgische Zerstörung von oberflächlichen Gewebebezirken, Kürettage oder Kryotherapie. Diese werden hauptsächlich für die Entfernung von Nicht-Melanom-Tumoren mit geringem Risiko angewandt. Für risikobehaftete Nicht-Melanom-Tumore wird die mikroskopisch kontrollierte Chirurgie (Mohs Technik), die Exzisions-Therapie oder die Radiotherapie bevorzugt. Zur Entfernung von Melanomen wird meist die Exzisionstherapie angewandt. An kosmetisch kritischen Stellen wie den Lippen, Nase, Wangen oder Augenlidern wird erfolgreich eine Variante der Mohs Technik verwendet. Sie zeigt hohe Heilungsraten bei geringer ästhetischer Beeinträchtigung. Zusätzlich erlaubt der Einsatz eines anti-Melanom Antikörpers (MART-1) dem Operateur im Mikroskop Tumorzellen eindeutig zu identifizieren und gesundes Gewebe zu schonen.
  • Die Familienphase verschiebt sich im Leben der Frauen zunehmend nach hinten. Viele Frauen warten mit der Schwangerschaft bis zum 3. oder 4. Lebensjahrzehnt. In diesen Zeitraum steigt auch die Hautkrebsinzidenz an. Dies führt zur Frage, wie sich eine evtl. notwendige Hautkrebsbehandlung mit der Familienplanung vereinbaren lässt.
  • Für dünne (weniger als 1 mm dicke) frühzeitig entdeckte Tumorstadien besteht eine gute Prognose, dass der Krebs nicht erneut auftritt. In diesen Fällen ist es nicht notwendig, eine geplante Schwangerschaft zu verschieben. Bei dickeren Tumoren ist die Prognose unklar. Hier wird empfohlen, 2 bis 3 Jahre mit einer Schwangerschaft abzuwarten. Innerhalb dieses Zeitraums stellt sich meist heraus, ober der Tumor erneut auftaucht.
  • Tritt die Diagnose Hautkrebs während einer Schwangerschaft ein, haben mehrere Studien gezeigt, dass die Krebsbehandlung keine Gefahr für das ungeborene Kind darstellt. Eine Ausnahme bildet die seltene Behandlung von weit fortgeschrittenen Melanomen.
  • Mit begleitender Überwachung des Fötus, kann auch die örtliche Entfernung eines Tumors unter Lokalanästhesie während einer Schwangerschaft sicher durchgeführt werden. Bei dickeren Tumoren sollte man auch eine Biopsie der Wächterlymphknoten in Betracht ziehen.
  • Neue, nicht-invasive oder minimal-invasive Behandlungsmöglichkeiten erscheinen vielversprechend, auch für herausfordernde Erkrankungsfälle. In den USA wurden für die Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms fünf neue Therapeutika zugelassen. Die Zulassung von sieben weiteren wird erwartet. Durch die Methoden der molekularen Wirkstoffforschung und den Einsatz von neuen Medikamenten-Trägerstoffen erhofft man sich eine lokale und kontrollierte Wirkungsweise.  Dies würde den systemischen Schaden für den Körper stark reduzieren. Forschungsobjekte sind u. a. : Nanopartikel, Liposomen, in die Zellen eindringende Peptide und Stammzellen.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Eine große Anzahl von präventiven Maßnahmen kann speziell für Frauen das Hautkrebsrisiko senken. Die konsequente Anwendung von Breitspektrum (UVA/UVB) Sonnencreme mit LSF 15 oder größer, sollte zur alltäglichen Routine für Männer und Frauen werden. Dasselbe gilt für das Aufsuchen von Schatten oder das Tragen von schützender Kleidung.
  • Frauen sind die größte Anwendergruppe von Kosmetika. Hier sollte betont werden, dass der Sonnenschutz von normaler Kosmetik meist sehr gering ist. Keinesfalls kann sie Sonnencreme ersetzen.
  • Für Frauen, die einen gebräunten Teint bevorzugen, empfiehlt die Amerikanischen Gesellschaft für Dermatologie Selbstbräunungscreme als Alternative zur UV-Bestrahlung unter der Sonne oder im Solarium.
  • Obwohl vielen Frauen bewusst ist, dass das Solarium das Hautkrebsrisiko erhöht, werden die Sonnenbänke immer noch häufig benutzt (Aussage bezieht sich auf die USA).
  • Studien haben gezeigt, dass das Sonnen auf der Sonnenbank süchtig machen kann. Die betrifft besonders Frauen unter fünfzig. Psychologische Betreuung bzw. medikamentöse Bekämpfung der Sucht mag in diesen Fällen die beste Hautkrebsvorsorge sein.
  • Öffentliche Maßnahmen den Zugang zu Sonnenbänke zu beschränken sind ebenfalls wirkungsvoll. Die meisten Staaten (in den USA) haben die Nutzung der Sonnenbänke durch Minderjährige eingeschränkt.
  • Darüber hinaus unterstützt die Modewelt die präventiven Maßnahmen mit eigenen Anstrengungen. Beispielsweise wurde der Auftritt von gebräunten Models auf der Fashion Week in London 2012 verboten.
  • Auch ein gesunder Lebensstil wird als vorbeugende Maßnahme empfohlen. Bei Frauen, die den Zigaretten- und Alkoholkonsum einschränken und eine gesunde Ernährung (reich an Antioxidantion, Obst und Gemüse und Vollwertkost) pflegen, treten bestimmte Formen von Hautkrebs seltener auf.
  • Laut zweier Studien senkt die Einnahme von Aspirin und Vitamin D das Hautkrebsrisiko, besonders bei Frauen in der Postmenopause.
  • Obwohl die Haut ein Gewebe ist, an dem besonders häufig Krebs auftritt, gelten die bösartigen Tumore der Haut doch als besonders gut vermeidbar. Deshalb erhofft man sich gute Erfolge durch öffentliche Aufklärung über Maßnahmen zur Hautkrebsvorbeugung. Obwohl in den letzten 30 Jahren die Hautkrebsinzidenz dramatisch angestiegen ist, sieht die Amerikanische Krebsgesellschaft eine Plateaubildung der Krebsfälle speziell bei jüngeren Frauen.
  • Gesundheits- und Fitness Magazine erreichen jeden Monat Millionen von Frauen unterschiedlichen Alters. Auch hier könnte der Fokus der Gesundheitsinhalte die vorbeugenden Maßnahmen zu Hautkrebsvermeidung noch stärker thematisieren. Auch Handys und Tablets könnten die frühzeitige Hautkrebserkennung und Prävention revolutionieren.
  • Die Hautkrebsvorsorgeuntersuchung durch medizinisches Fachpersonal ist derzeit in der Praxis noch häufig mangelhaft (bezieht sich auf die USA). Zeitmangel und mangelndes Vertrauen in die Hautuntersuchung sind häufige Barrieren. Zurzeit werden Lehrfilme zur Instruktion des medizinischen Personals auf ihre Effizienz getestet. Auch die Einbindung von bisher noch nicht erschlossenen Quellen in gesundheitsnahen Berufen (z. B Chiropraktiker) ist vielversprechend. Erste Untersuchungen zeigen, dass dieser Personenkreis den neuen Aufgaben in der Hautkrebsvorsorge offen gegenübersteht.
  • Es ist anzustreben, dass durch weltweit einheitliche Programme zur Vorbeugung und frühzeitigen Erkennung, die Anzahl der Hautkrebsfälle reduziert wird.
[1]          Z. Al-Dujaili, M. Henry, A. S. Dorizas, and N. S. Sadick, “Skin cancer concerns particular to women,” Int. J. Womens Dermatol., vol. 3, no. 1, pp. S49–S51, Mar. 2017.

 

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