Buchvorstellung: Haut nah von Dr. Y. Adler

Haut nah Yael Adler

Haut nah: Alles über unser größtes Organ,

von Dr. Yael Adler

Thema des Buches

Die Haut ist unser größtes Organ. Im Alltag setzen wir Ihre Funktionstüchtigkeit als gegeben voraus, ohne viele Gedanken daran zu verschwenden. Auf ihre zahlreichen Funktionen werden wir erst aufmerksam, wenn es juckt, brennt oder schwer heilt.

Die Autorin Dr. med. Yael Adler führt uns durch alle Schichten und alle gesundheitlichen Aspekte der Haut. Dies gelingt ihr auf sehr unterhaltsame und gleichzeitig informativer Weise. Sie räumt mit einigen hartnäckigen Missverständnisse auf: Wie z. B. unserem oft kontraproduktivem Drang,  die Haut ständig zu reinigen.

Sie erklärt uns nicht nur die Unterschiede von junger und alter Haut und warum Männer keine Cellulite bekommen, sondern sie macht auch die großen Zusammenhänge klar. Wie wirken sich Lebenswandel und Ernährung auf die Haut aus? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Darmflora und Haut, welchen zwischen Schlaf und Haut?

Ohne falsche Scheu spricht sie über Tabuzonen, Akne, Fußpilz oder Geschlechtskrankheiten. Nach der Lektüre der 336 Seiten (broschierte Ausgabe) dieses Buches sieht man seine Haut mit anderen Augen. Man kann die eine oder andere „Hautunreinheit“ mit größerer Gelassenheit betrachten und muss – mal wieder –  der Wahrheit ins Auge blicken: Die biologische Hautalterung ist unaufhaltsam, allen Werbeversprechungen zum Trotz.

Die Autorin

Dr. med. Yael Adler ist Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten mit Zusatzausbildung in Phlebologie (Venenheilkunde) und Ernährungsmedizin. Ihre Liebe zur Haut entdeckte sie schon als kleines Kind.  In der Bibliothek ihres Großvaters, der ebenfalls Hautarzt war, faszinierten sie die schaurig schönen Abbildungen von Hautkrankheiten in seinen Fachbüchern. In ihrer täglichen Arbeit in ihrer Berliner Privatpraxis fesselt sie besonders die detektivische Arbeit, die zur Aufklärung von Hauterkrankungen oft nötig ist. Ihr fachlicher fundierter und dennoch leicht verständlicher Rat wird in Hörfunk und TV gerne in Anspruch genommen. Ebenso eloquent tritt sie als Medizin-Moderatorin/Expertin auf Kongressen auf. Eine Liste ihrer zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträge finden Sie auf der Website von Dr. Adler.

Der Inhalt

In dem leicht verständlichen, lebhaften und spritzigen Text wird man durch die verschiedenen Themengebiete der Haut geführt. Dr. Yael Adler verwendet möglichst wenig medizinische Termini und scheut sich nicht umgangssprachliche, aber dafür anschauliche Ausdrücke zu verwenden. Primär geht es um die Erklärung von Zusammenhängen, so dass der Leser mehrere „Aha-Erlebnisse“ hat. Praktische Tipps sind eher dünn gesät, was wohl dem Umstand geschuldet ist, dass es schwierig (unseriös) ist, allgemeine Ratschläge per Ferndiagnose zu erstellen. Dennoch gibt es einige DIYS Tests, wie z. B. den Tesastreifen-Wurm-Test; den Test am Unterlid: Wie schwach ist mein Bindegewebe? Oder, wie unterscheide ich, ob die gerötete Hautregion nur stark durchblutet ist oder entzündet? Im Anhang finden sich auch einige Hausmittelrezepte.

Hier einige Auszüge aus dem Buch, die mir besonders gefallen haben:

  • Mehrfach betont Dr. Adler, wie wichtig ein intaktes Mikrobiom auf der Haut ist um Krankheitserreger abzuwehren. Immer wieder warnt sie vor übertriebener Hygiene. Die Duftproduktion der Drüsen im Genitalbereich und der Analfalte kann man nicht wegseifen – man sollte sie hinnehmen. Hunde werden also immer als erstes zwischen den Beinen riechen. Darüberhinaus ist sie eine starke Befürworterin von Baumwoll-Feinripp.
  • Ein weiteres Argument gegen Übergewicht: Mehr Gewicht bedeutet auch mehr Hautfalten und damit auch mehr Bereiche, die infektiösen Keimen ein feucht-warmes Heim bieten.
  • Wenn Sie den zusätzlichen Einfluss der UV-bedingten Hautalterung auf ihre natürliche Hautalterung abschätzen wollen, dann vergleichen Sie Ihr Gesicht mit Ihrem Po!
  • Die beste Antifaltencreme ist die Sonnencreme!
  • Wir lernen: Was genau ist eine Blase, und darf man sie nun punktieren oder nicht?
  • Sie redet der modernen, sprich feuchten und atmungsaktiven, Wundbehandlung das Wort. Ein feuchtwarmes Gewächshausbiotop ist der Heilung förderlicher als der alte Mythos: An die Wunde muss Luft!
  • Junge Frauen, die sich wegen ein paar Dehnungsstreifen nicht ins Freibad trauen, beruhigt sie: Männer sehen diese Streifen meist nicht, genauso wenig, wie wenn Frau eine neue Frisur trägt. Es folgt eine Erklärung der biologischen Abläufe und warum nur Frauen davon betroffen sind.
  • Im Kapitel Lebensabschnittspartner lesen wir von den Unterschieden der Baby-, Teenie- und Altershaut. Die Beschreibung der verschiedenen Stadien der Mitesser ist sehr dramatisch. Nach der Lektüre können wir schwarze, weiße und Akne-Pickel unterscheiden. Erneut hören wir, dass man beim Ausdrücken der Pickel sehr zurückhaltend sein soll. Besser melken statt drücken und wir lesen auch warum.
  • Das Thema Haut und Licht ist naturgemäß ziemlich umfangreich. Unter anderem werden wir nicht nur vor UV-Strahlen, sondern auch vor Infrarot gewarnt. Deshalb, wenn es zu heiß wird, aus der Sonne gehen und das Warnzeichen der Natur beachten! Dr. Adler stellt fest: „Gesunde Bräune ist ein Widerspruch in sich.“ Die Rechnung für den sorglosen Umgang mit Sonnenbrand in den siebziger Jahren erhalten wir jetzt durch die ständig steigenden Hautkrebsraten. Ihre Meinung zum Solarium ist radikal. Das Solarium „ gehört abgeschafft.“ Freie Sauerstoffradikale werden sehr anschaulich als „aufdringliche Sauerstoffeinzelgänger auf der Suche nach Anschluss bezeichnet.
  • Bei der Hautkrebsvorsorge hat derjenige einen Vorteil, der einen liebenden, aufmerksamen Partner hat. Und keine falsche Scham beim Arzt. Hier heißt es: alles ausziehen!
  • Der Zusammenhang zwischen Hauttyp und Eigenschutzzeit wird erwähnt. Hier fehlt mir allerdings ein Hinweis, wie man den Hauttyp bestimmt. Somit kommt diese wichtige Grundlage zum Einschätzen der UV-Empfindlichkeit der eigenen Haut etwas zu kurz.
  • Dr. Adler kennt auch die geheimen Wünsche der Haut: „Was würde Ihre Haut sagen, wie oft sie geduscht oder gebadet werden möchte?“ Antwort: „Einmal in der Woche, höchstens!“ Von dem allumfassenden Angebot der Kosmetikindustrie und unseren z. T. mehrmals täglichen Waschriten ist die Autorin wenig begeistert, dass sei „Terror für die Haut“. Nach dem Motto: „Waschen bis der Arzt kommt.“ Parfum am besten nur auf die Kleidung und Haare und nicht auf die Haut. So vermeidet man Allergien. Sie stellt klar: Da man bei synthetische Waschsubstanzen besser einen sauren pH einstellen kann, sind sie Seifen vorzuziehen. Dies gilt auch für selbst gekochte Seifen, wo man zwar Zusatzstoffe vermeiden kann, der pH aber immer noch alkalisch ist. Auch erhalten wir spezielle Tipps zur Pflege von „untenrum und obenrum“.
  • Woran erkennt man den Dermatologen? Er/Sie geht niemals barfuß in der Sauna! Vor ihrem geistigen Auge sehen sie den Fußboden übersät mit ansteckendem Fußpilz und Warzenviren. Ich befürchte, sie wissen nur all zu gut, wovon sie reden!
  • Im Kapitel „Manipulationen an der Fassade“ geht es um den feinen Grad zwischen ein bisschen „aufhübschen“ und dem grotesken Ergebnis von „Morbus Maske“ verursacht durch allzu üppige Anwendung von Botox oder aufgeblasene Lippen durch Hyaluronsäure. Interessant fand ich auch ihren Bericht über die manchmal masochistische Beziehung zwischen Patientin und Schönheitschirurg: „..unterwürfige Hingabe an den Meister mit der Spritze…“ !
  • Bezüglich von Tattoos bringt es die Autorin auf den Punkt: „Think before you ink! Das Eindringen der fremden Farbpartikel wird aus der Sicht der geschockten Haut- und Immunzellen beschrieben, die verzweifelt versuchen den Schaden zu beseitigen.
  • Sex: Beruhigend zu wissen, die erogenen Zonen sind international gleich. Hier sind Kommunikationsprobleme also ausgeschlossen. Und haben Sie schon mal etwas vom Kremasterreflex des Hodens gehört? Natürlich muss die Dermatologin auch einige Worte über Geschlechtskrankheiten verlieren. Sie bemängelt, dass das Kondom wieder zunehmend aus der Mode kommt. Allerdings schützt auch das nicht vor so „netten“ Bettgenossen wie Filzläusen, Krätze, Dell- und Feigwarzen.
  • Zum Schluss tritt die Ernährungsmedizinerin auf den Plan. Zunächst gibt sie einen kurzen Einblick, wie der erneute Aufenthalt im Vorlesungssaal auf sie, als gestandene Ärztin, gewirkt hat. Bei ihren Kollegen aus der Ernährungsmedizin stellte sie einen Hang zum „neurotischen Korrektessen“ fest. Offensichtlich vergessen sie gerne den Spaß und die Lust am Essen. Es folgt ein kurzer Abriss der Ernährungsmedizin. Sie beschreibt das Wirrwarr der zahllosen Studien über Wirkungen und Nebenwirkungen, zu den erstrebenswerten Normwerten und ob natürlich gewonnene Mikronährstoffen künstlich hergestellten vorzuziehen sind. Ihre Strategie ist: erst im Blut messen und dann den Mangel ausgleichen. Bevorzugen sollte man einheimisches Superfood und pflanzliche Kost. Akne, Milchkonsum, Rauchen, Weizen, Gluten, Transfettsäuren und die anderen üblichen Verdächtigen unseres modernen Lebensstils werden besprochen und eingeordnet.
  • Zum Schluss erfahren wir etwas über die Haut als Spiegel der Seele. Unbewusst verrät die Haut unsere seelischen Zustände an die Außenwelt. Das geht vom harmlosen Erröten vor Scham bis zum pathologischen Ritzen der Haut aufgrund von großer seelischer Not.
  • Und vieles anderes mehr.

Meine Bewertung

Dr. Yael Adler gelingt es alle wesentlichen Themen der Haut kurz und knapp anzusprechen. Was bei diesem Stoffumfang eine durchaus schwierige Aufgabe ist. Dazu benutzt sie keineswegs einen abgehobenen „Mediziner-Sprech“, sondern verwendet eine gut verständliche, mitunter lustig-flapsige Sprache. So bleibt einem manches besser im Gedächtnis. Auch Tabuzonen bleiben nicht ausgespart. Hier ist fachlicher Rat besonders wertvoll, weil man ihn gerade nicht überall erhält.

Sie betrachtet die Haut nicht nur als isoliertes Organ, sondern stellt interessante Verbindungen her zu Ernährung, Darmflora oder Psyche. Auch räumt sie energisch mit diversen Versprechungen der Kosmetikindustrie auf. Eine jugendliche Haut kann man nicht „herbei-cremen“ und allzu viel Reinlichkeit stresst die Haut unnötig. Beim Thema Solarium und Tattoo bezieht sie deutlich Stellung. Hin und wieder werden auch ein paar amüsante persönliche Erfahrungen mit Patienten eingestreut. Dies sorgt für eine zusätzliche Auflockerung dieses Sachbuches. Im Anhang findet sich noch eine Sammlung nützlicher Hausmittel, die man auf jeden Fall studieren sollte.

Einzig die Hauttypbestimmung habe ich vermisst. Ansonsten fühle ich mich allumfassend beraten!

Ein sehr lesenswertes Buch!

Daten zum Buch

Das Buch Haut nah: Alles über unser größtes Organ erhalten Sie bei amazon.de

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    azg
    Über azg 74 Artikel
    Hallo, ich bin promovierte Diplom-Biologin mit langjähriger Berufserfahrung im Bereich der Lebenswissenschaften, Sachbuchautorin und Bloggerin.

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