Hautkrebsvorsorgeuntersuchung: Wie läuft das ab?

Der Hautarzt verwendet ein der Lupe ähnliches Instrument zur Hautkrebsvorsorgeuntersuchung
Hautkrebsscreening: Eine genaue Inspektion der Haut

Warum ist die Hautkrebs-vorsorgeuntersuchung wichtig?

Pro Jahr erkranken in Deutschland  ca. 200 000 Menschen an weißen (Basaliom, Spinaliom) und schwarzem (Melanom) Hautkrebs. Ca. 18 000 Menschen erkranken pro Jahr an malignem Melanom. Ca. 1 % der an Melanom erkrankten Menschen versterben daran pro Jahr.

Das Hautkrebsscreening wurde 2008 aufgrund der ansteigenden Zahl (in Deutschland und weltweit) an Hautkrebserkrankungen eingeführt. Hautkrebs ist die häufigste Krebsart in Deutschland.

Der Arztreport 2014 (eine Zusammenarbeit der Barmer GEK mit dem Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen) hat festgestellt, dass das maligne Melanom seit 2005 um 60 % zugenommen hat und der weißen Hautkrebs um 79 %.

Worauf ist dieser Anstieg zurückzuführen?

  • unser verändertes Freizeitverhalten: in den letzten Jahrzehnten verbringen immer mehr Menschen, immer häufiger den Urlaub an Orten mit intensiver Sonnenbestrahlung. Auch zuhause wird die Freizeit vermehrt unter der Sonne verbracht. Braun gebrannt sein ist "in". Lange Zeit hat man die Sonne zu sorglos genossen. Die Sinnhaftigkeit von Sonnenschutzmaßnahmen dringt erst allmählich in unsere Köpfe. Manch einer nutzte ahnungslos oder zu sorglos das Sonnenstudio. Eine kompetente Beratung, über Gefahren und Risiken und den richtigen Umgang mit UV-Strahlen im Solarium, war bis vor kurzem lediglich ein freiwilliges Angebot. Erst mit Inkrafttreten der UV-Schutzverordnung 2012 erhält jeder Kunde ein informatives Beratungsgespräch. Hier wird der Kunde nicht nur aufgeklärt über Gefahren und Risiken, sondern bekommt auch ganz konkrete Handlungsanweisungen zum Schutz.
  • das steigende Lebensalter der Bevölkerung trägt insbesondere zur Zunahme des weißen Hautkrebs bei. Die weißen Hautkrebsarten werden überwiegend durch die lebenslange Akkumulation von UV-Strahlen hervorgerufen. Deshalb treten sie am häufigsten im 6 - 7 Lebensjahrzehnt auf.
  • mit steigendem Alter steigt auch die Anzahl der immunsupprimierten Patienten. Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen oder Transplantierte müssen meist Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken. Damit ist auch die Fähigkeit bösartige Zellen zu erkennen und zu eliminieren eingeschränkt. Man wird anfälliger für (UV-bedingte) Zellentartung.
  • nicht zuletzt spielt auch das gesteigerte Bewusstsein in der Bevölkerung für die Eigenbeobachtung der Haut (ABDCE-Regel) und das flächendeckend eingeführte Hautkrebsscreening  ein Rolle. Je genauer man hinschaut, desto eher entdeckt man auch eine krankhafte Veränderung. Auch dies führt zu einem Anstieg in der Statistik.

Wird Hautkrebs rechtzeitig erkannt, bestehen grundsätzlich für alle Arten hohe Heilungschancen! Deshalb ist es so wichtig, die Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch zu nehmen.

Wie läuft diese Untersuchung ab?

Der Arzt wird Sie zunächst zu Ihrem Gesundheitszustand und Vorerkrankungen befragen. Gegebenenfalls wird er mit Ihnen Ihre Risikofaktoren (z. B. häufige Sonnenbrände in der Kindheit, viele Muttermale, sehr helle Haut) besprechen.

Die gesamte Untersuchung dauert ca. 20 Minuten. Sie müssen sich dazu entkleiden und sollten vor der Untersuchung Make-up und Nagellack entfernen. Hautkrebs kann auch unter den Nägeln entstehen.

Der Arzt untersucht  die gesamte Haut, von der behaarten Kopfhaut bis zu den Zehenzwischenräumen, auf verdächtige Veränderungen mit dem bloßen Auge.

Viele Ärzte bieten dieselbe Untersuchung auch mit Dermatoskop, einer beleuchteten Hautlupe, an. Sie verwendet polarisiertes Licht und eine mikroskopische Vergrößerung zur besseren Beurteilung von Hautveränderungen.

Häufig werden verdächtige Hautveränderungen fotografiert und im Computer dokumentiert (Computervideodermatoskopie). So kann man die Entwicklung einer Hautveränderung, die zwar verdächtig, aber noch nicht bösartig ist, im Laufe der Zeit besser beobachten. Unter Umständen lassen sich dadurch vorschnelle Operationen vermeiden.

Wer darf das Hautkrebsscreening durchführen?

Hautärzte (Dermatologen) und Hausärzte (Allgemeinmediziner, praktische Ärzte und Internisten) mit einer entsprechenden Zusatzausbildung sind berechtigt das Hautkrebsscreening durchzuführen.

Wird eine verdächtige Hautveränderung von einem Hausarzt entdeckt, wird er Sie zur weiteren Abklärung an den Dermatologen überweisen.

Wer bezahlt das?

Die Hautkrebsvorsorgeuntersuchung ist in Deutschland seit Mitte 2008 Bestandteil des Leistungskataloges der gesetzlichen Krankenkassen für alle Versicherten ab der 35. Lebensjahr. Die Untersuchung erfolgt in 2 jährigen Abständen. Einige gesetzlichen Krankenkassen bieten diese Untersuchung  schon ab dem 20. Lebensjahr oder im jährlichen Abstand an. Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach!

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die fachkundige Untersuchung der Haut mit dem unbewaffneten Auge, d. h. ohne Einsatz jeglicher technischer Hilfsmittel. Schon bei dieser Untersuchung kann der Fachmann viel erkennen.

Auflichtmikroskopie (beleuchtete Hautlupe) und Videodermatoskopie gehören zu den IGEL-Leistungen (Individuelle Gesundheitsleistungen) und werden von den privaten Krankenkassen oder dem Patient selbst übernommen.

Ist die Hautkrebsvorsorgeuntersuchung erfolgreich?

Das Hautkrebsscreening wurde aufgrund der massiv ansteigenden Hautkrebsfälle eingeführt. Jährlich nehmen ca. 8 Millionen Bundesbürger daran teil. Dies ist ein Drittel der berechtigten Personen.

Das Screening verfolgt mehrere Ziele:

  • die Heilungschancen sollen gesteigert, aufwendige Behandlungen sollen reduziert werden.
  • Leid und Ängste der Betroffenen sollen verringert werden.
  • die Kosten des Gesundheitssystems sollen reduziert werden.

Obwohl die Häufigkeit der Neuerkrankungen (Inzidenz) bei Hautkrebs ansteigt, ist die Mortalität (Sterblickeitsrate) gleich geblieben. Ist die gleichbleibende Mortalität jetzt ein Erfolg oder Misserfolg? Hier gibt es gegensätzliche Arten der Interpretation:

I. Dies ist ein Erfolg:

Obwohl die Erkrankungsrate weiter steigt, ist die Sterberate nicht im gleichen Maße angestiegen, sondern gleich geblieben. Man schließt daraus, dass aufgrund der Vorsorgeuntersuchung (und der Eigenbeobachtung) Entartungen der Haut früher erkannt und die Heilungschance dadurch deutlich erhöht werden. Ganz besonders gilt dies für das Melanom, da es für 90 % der durch Hautkrebs verursachten Todesfälle verantwortlich ist.

II. Dies ist kein Erfolg:

  1. Seit der Einführung der Hautkrebsvorsorge ist die Sterblichkeitsrate für Hautkrebs nicht gesunken. Laut dem Dermatologe Prof. Dr. Reinhard Dummer wäre dies der einzig harte Beweis für die Wirksamkeit der Vorsorgeuntersuchung. Das konnte bisher nicht gezeigt werden. Gerade in der Tiefe der Haut sitzende, schnell wachsende Melanome werden meist nicht rechtzeitig gefunden.
  2. Der gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Auswirkungen der Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen zu überprüfen. In der Veröffentlichung (Frühjahr 2015) kommt es zu folgendem Schluss : Es werden etwa 25 % mehr Hautkrebsdiagnosen gestellt. Doch nur die Hälfte der Hautveränderungen ist tatsächlich bösartig. In der anderen Hälfte der Fälle wird der Patient unnötig mit einer Krebsdiagnose belastet. Die diagnostizierte Krebsvorstufe hätte seine Gesundheit u. U. nie beeinträchtigt.
  3. Prof. Jürgen Windeler vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) fordert  eine vergleichende Untersuchung. Die Mortalität soll in 2 Gruppen von Menschen verglichen werden, wobei eine Gruppe das Screening in Anspruch nimmt und die andere nicht.
  4. Professor Hense vom Krebsregister hat zudem auf die Gefahr hingewiesen, dass die Menschen sich durch das Hautkrebsscreening in falscher Sicherheit wiegen und die Eigenbeobachtung vernachlässigen.

III. Mein Fazit:

  • Es gibt (bis jetzt) keine vergleichenden klinischen Studien, die einen positiven Einfluss der Hautkrebsvorsorgeuntersuchung auf die Mortalität zeigen, d. h. aber auch, dass man die Aussagen so einer Studie abwarten sollte, bevor man das Screening negativ beurteilt.
  • Die gesteigerte Aufmerksamkeit, die wir unserer Haut zukommen lassen, entweder durch Eigenbeobachtung oder mit Hilfe des Arztes, vergrößert die Wahrscheinlichkeit, dass bösartige Veränderungen rechtzeitig erkannt werden. Dies vergrößert die Heilungschancen und verringert den Behandlungsaufwand.
  • Wie bei jeder Früherkennungsuntersuchung können weder  falsch positive  ("falscher Alarm"), noch falsch negative (Tumor nicht entdeckt) Ergebnisse ausgeschlossen werden. Dessen sollte man sich bewusst sein. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie, mag man sich auch noch so sehr bemühen. Letztendlich ist es eine individuelle Entscheidung, ob man etwas lieber wissen möchte (und dann u. U. von einem falschen Alarm geängstigt wird) oder nicht (und dabei Heilungschancen bei Früherkennung vergibt).
  • Unabhängig von der Statistik gilt für das Individuum der Einzelfall. Die Statistik sagt uns nicht, ob wir in die Gruppe der Betroffenen fallen oder nicht. Deshalb halte ich es für sinnvoll, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, auch wenn es keine Garantie gibt, ob sie greifen.

 

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    Über azg 82 Artikel
    Hallo, ich bin promovierte Diplom-Biologin mit langjähriger Berufserfahrung im Bereich der Lebenswissenschaften, Sachbuchautorin und Bloggerin.