Melanom: Der Zeitpunkt der OP bestimmt die Überlebensrate

Operation Besteck

Der Zeitpunkt der operativen Entfernung des Melanoms beeinflusst die Überlebensrate

Nach wie vor steigen die Krankheitsfälle an malignem Melanom weltweit an. Nur in Australien und Neuseeland stagniert die Inzidenz in den letzten Jahren.

In Amerika werden jedes Jahr ca. 76 400 Personen (2,1 %) mit der Diagnose Melanom konfrontiert. Über 10 000 Amerikaner sterben jährlich daran.

Seit langem wissen wir: Die 5 Jahres Überlebensrate wird ganz wesentlich vom Zeitpunkt der Diagnose beeinflusst. „Erwischt“ man den Tumor noch so lange er ausschließlich an seinem ursprünglichen Ort (meist der Haut) sitzt,

  • liegt die 5 Jahres Überlebensrate bei 98,4 %.
  • Haben die Tumorzellen schon den benachbarten Lymphknoten erreicht: 62,4 %;
  • findet man Metastasen auch anderswo im Körper: 17,9 %. (Daten des  SEER Cancer statistic review).

Welchen Einfluss hat der Zeitpunkt der Operation auf den Heilungserfolg?

Die erste Maßnahme gegen ein Melanom ist seine operative Entfernung.

Aber wann ist der günstigste Zeitpunkt für eine OP? Gibt es ein Zeitfenster, das die besten Heilungschancen verspricht?

Dieser Frage geht eine neue Studie der Cleveland Clinik aus Ohio nach [1].

Ausgewertet wurden die Daten aus der National Cancer Database von 153 218 erwachsenen Patienten mit der Diagnose Melanom im Stadium I bis III aus den Jahren 2004 bis 2012.

Melanomstadien:

Die internationale Einteilung der Tumorstadien erfolgt nach der Dicke des Primärtumors, dem Auftreten von Metastasen und dem Ort der Metastasen. Treten Metastasen auf, unterscheidet man zwischen Metastasen im benachbarten Lymphknoten, in weiter entfernten Lymphknoten oder in anderem Gewebe. Am Tumorstadium orientiert sich der therapeutischen Ansatz und die Prognose.

  • Stadium I: Primärtumor unterschiedlicher Dicke, keine Tumorzellen im benachbarten Lymphknoten nachweisbar.
  • Stadium II: Tumorzellen im nächstgelegenen Lymphknoten nachgewiesen.
  • Stadium III: Metastasen auch in weiter entfernten Lymphknoten.
  • Stadium IV: Fernmetastasen in anderen Geweben. Stadium IV wurde in der Studie nicht untersucht und wird hier nur der Vollständigkeit wegen erwähnt.
  • Alle 4 Stadien werden noch weiter unterteilt, darauf wird aber hier nicht eingegangen.

Ergebnisse der Studie:

  • Die Überlebensrate sinkt für alle Melanompatienten, wenn die operative Entfernung des Melanoms erst 90 Tage oder später nach der Diagnose erfolgt. Dies beobachtete man für alle drei Melanomstadien (I-III) gleichermaßen.
  • Betrachtet man ein 30-Tage Intervall zwischen Diagnose und OP gilt: Werden Melanompatienten im Stadium I innerhalb von 30 Tagen operiert, ist die Überlebenschance am höchsten.
  • Für Patienten im Melanomstadium I wirkt sich jede Wartezeit über 29 Tage hinaus negativ auf die Überlebensrate aus.
  • Der Anstieg des Sterberisikos für Melanompatienten im Stadium I stellt sich in Abhängigkeit von der Wartezeit bis zur OP folgendermaßen dar:
Zeitfenster des OP-Termins nach Diagnose in TagenAnstieg des Sterberisikos in %
30 -595
60 - 8916
91 - 12029
> 12041
  • Patienten mit Stadium I, bei welchen sich die Behandlung länger als 30 Tage hinauszog, waren überwiegend älter, männlich und litten unter Begleiterkrankungen.
  • Bei Patienten mit Stadium II oder III macht es im Bezug auf die Überlebensrate keinen Unterschied, ob die OP innerhalb von 30 Tagen erfolgte. Die Autoren vermuten, dass hier die späte Diagnose bereits so schwer wiegt, dass die späte Therapie, innerhalb des betrachteten Zeitraums, keine zusätzliche Rolle für das Sterberisiko spielt.
  • Wird hingegen das Melanom früh, im Stadium I diagnostiziert, erhöht eine kurzfristig angesetzte OP die Überlebenschancen wesentlich!

In Amerika folgen die meisten Ärzte der über-den-Daumen-Regel, ein Melanom innerhalb von 3 – 4 Wochen nach Diagnose zu entfernen [2]. In Europa vergehen meist 4 bis 6 Wochen bis zur OP [3]. In den offiziellen Behandlungsrichtlinien gibt es dazu noch keine Empfehlungen.

Zu der bisherigen Diskussion WIE ein Melanom am besten operativ zu entfernen sei, gesellt sich nun auch die Frage nach dem WANN.

Diese Studie erinnert uns daran, dass der Therapieerfolg bei einem Melanom ganz wesentlich davon abhängt, dass es  in einem frühen Stadium erkannt wird.

Diese Studie zeigt zusätzlich, dass neben einer frühen Diagnose auch die zügige Entfernung des Tumors  die Überlebenschancen deutlich erhöht.

Deshalb:
Neues aus der Wissenschaft  minus

Deshalb:

  • Beobachten Sie Ihre Haut selbst. Orientieren Sie sich an der ABCDE Regel zur Einschätzung von Leberflecken/Muttermalen. Sind Sie sich unsicher? Machen Sie einen Termin beim Arzt.
  • Nutzen Sie die Möglichkeit der Hautkrebsvorsorgeuntersuchung, mindestens einmal alle 2 Jahre.
  • Gehen Sie bewusst und maßvoll mit der UV-Strahlung um. Auf MY-UV finden Sie dazu zahlreiche Erklärungen und Anregungen.
[1]          R. Z. Conic, C. I. Cabrera, A. A. Khorana, und B. R. Gastman, „Determination of the impact of melanoma surgical timing on survival using the National Cancer Database“, J. Am. Acad. Dermatol., Bd. 0, Nr. 0, Okt. 2017 [Online]. Verfügbar unter: http://www.jaad.org/article/S0190-9622(17)32300-9/fulltext. [Zugegriffen: 18-Okt-2017] [2]          S. Hajdarevic, A. Hörnsten, E. Sundbom, U. Isaksson, und M. Schmitt-Egenolf, „Health-care delay in malignant melanoma: various pathways to diagnosis and treatment“, Dermatol. Res. Pract., Bd. 2014, S. 294287, 2014.

[3]          C. Garbe, K. Peris, A. Hauschild, P. Saiag, M. Middleton, L. Bastholt, J.-J. Grob, J. Malvehy, J. Newton-Bishop, A. J. Stratigos, H. Pehamberger, A. M. Eggermont, European Dermatology Forum (EDF), European Association of Dermato-Oncology (EADO), und European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC), „Diagnosis and treatment of melanoma. European consensus-based interdisciplinary guideline - Update 2016“, Eur. J. Cancer Oxf. Engl. 1990, Bd. 63, S. 201–217, Aug. 2016.

 

 

 

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