Smartphone Apps zur UV-Strahlung

 Android Apps zur UV-Strahlung

Die Intensität der aktuellen UV-Strahlung bestimmt ganz wesentlich unser Verhalten unter der Sonne.  Das Maß für die sonnenbranderregende UV-Intensität der Sonnenstrahlung ist der UV-Index (UVI). Der UVI und der individuelle Hauttyp sind die wesentlichen Orientierungsgrößen, die wir kennen müssen, um einen Sonnenbrand und andere Hautschäden zu vermeiden.

Den Hauttyp, als Maß für die individuelle UV-Empfindlichkeit unserer Haut, kann man durch die Beantwortung einiger Fragen (So bestimmen Sie Ihren Hauttyp) leicht herausfinden.

Angaben zum voraussichtlichen Tageshöchstwert des UVI findet man beim Wetterbericht in der Zeitung oder z. B. auf der Website des Deutschen Wetterdienstes.

Kennt man beide Parameter – und hat man sich einige der Erklärungen auf MY-UV durchgelesen – ist man in der Lage gesundheitliche Risiken durch UV-Strahlung auszuschließen bzw. zu minimieren.

Oder, man macht es sich bequem. Im Zeitalter der Smartphones kann man sich auch von einer App sagen lassen, was zu tun ist.

Aus dem großen Angebot in Google Play zum Thema UV-Schutz bin ich auf drei Smartphone Apps gestoßen, die mir nützlich erscheinen. Dies ist eine rein willkürliche Auswahl und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die ersten beiden Apps helfen uns beim risikoarmen Sonnenverhalten und die dritte App macht deutlich, was passiert, wenn wir es mit der UV-Strahlung übertreiben.

Alle drei Apps gibt es für die Betriebssysteme Android und Apple.

UVLens

  • Diese App macht Angaben zur örtlichen UV-Intensität (UVI) und gibt Hinweise wie und wann man sich schützen sollte.Sie „spricht“ Englisch und Deutsch.
  • Sie gibt den aktuellen örtlichen UVI an. Zur Lokalisierung des Benutzers greift sie auf die GPS Daten des Handys und auf nicht genannte, externe Datenbanken zur Ermittlung des lokalen UVI.
  • Sie macht Angaben zum Verlauf des UVI über den ganzen heutigen und morgigen Tag.
  • Sie weist den Zeitraum der besonders intensiven Mittagsstrahlung, je nach Standort, aus.
  • Sie ermöglicht eine ziemlich detaillierte Bestimmung des Hauttyps und fragt nach dem LSF der verwendeten Sonnencreme.
  • Aus Hauttyp und UVI  errechnet sie die Eigenschutzzeit, die man mit ungeschützter Haut in der Sonne bleiben kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Der LSF der Sonnencreme wird dabei nicht berücksichtigt.
  • Es ist möglich einen akustischen Alarm einzustellen, der den Benutzer an das erneute Eincremen erinnert. Man kann dabei Angaben zur Wasserbeständigkeit der Sonnencreme und zur Anwendung z. B. Schwimmen oder Sonnenbaden machen. Der akustischer Alarm hat bei mir nicht funktioniert.
  • Mit einem kleinen Widget sieht man die Infos auch direkt auf dem Startbildschirm. Durch Anklicken des Widgets öffnet sich die App.
  • Die Angaben zu UVI stimmen mit den Werten der örtlichen Wettervorhersage z. B. http://balearsmeteo.com gut überein. Auch der errechnete „sonnenbrand-sichere“ Zeitraum ist korrekt.
  • Entwickelt wurde die App von spark64.com, von 2 Bioingeneuren im Zuge ihrer Doktorarbeit.
  • Gesamteindruck: einfach zu bedienen, ausreichend genau, funktionell stimmig.

UVI MATE

  • Auch diese App misst nicht selbst, sondern verwendet den Handystandort und externe Wetterdaten. Der Entwickler A. Ershov gibt an: Die UVI Daten kommen von „The Royal Netherlands Meteorological Institute“ und vom „National Institute of Water and Atmospheric Research of New Zealand.
  • Sie „spricht“ mehrere Sprachen.
  • Die App gibt an: Der UVI wird in Echtzeit und in Abhängigkeit vom Standort errechnet. Hier fließen ein: der Sonnenstand und Sonnenabstand, die Ozonkonzentration in der Stratosphäre, die Bewölkung, Luftverschmutzung, Oberflächenreflexion und die Höhenlage des Standorts.
  • Man erhält eine Angabe zum aktuellen UVI,  zum Tageshöchstwert und eine Vorhersage für die nächsten 2 Stunden.
  • Man macht eine einfache Hauttypbestimmung, in dem man zwischen 6 Hautfarben wählt. Aus der Kombination vom Hauttyp mit dem aktuellen UVI errechnet die App den Zeitraum bis man einen Sonnenbrand bekommt (Eigenschutzzeit der ungeschützten Haut).
  • Man sieht Angaben zur Ozon Konzentration.
  • Der mittägliche Zeitraum des Sonnenhöchststands wird angeben. Klick man darauf, erhält man einen Tipp, welchen LSF man verwenden soll. Nachteilig finde ich, dass man den LSF nicht selbst, gemäß der Sonnencreme, die man tatsächlich verwendet, eingeben kann. Auch hier erfolgen keine Angaben zur Verlängerung der Eigenschutzzeit um dem LSF.
  • Klickt man das Wolkensymbol an, verringert sich der angegebene aktuelle UVI. Es gibt allerdings keine Abstufungen für zarte Schleierwolken oder eine dicke Wolkendecke.
  • Klick man auf das Sonnencremesymbol wird man in 2 Stunden an das erneute Auftragen erinnert. Auch in dieser App hat der akustische Alarm auf meinem Handy nicht funktioniert.
  • Man erhält Angaben zum Wetter, Sonnenauf- und Untergang.
  • Auch hier gibt es ein Widget für den Startbildschirm.
  • Der notwendige Zeitraum für die Vitamin D Synthese wird ausgewiesen. Der Zeitraum verlängert sich in Abhängigkeit vom ausgewählten Hauttyp. Wird aber vom aktuellen UVI nicht beeinflusst.
  • Es gibt ein kostenpflichtiges Upgrade. Dies sagt dann den UVI für die nächsten 6 Stunden vorher und erlaubt direkt von dem Widget in die App zu wechseln. Evtl. erhält man beim upgrade zusätzliche Informationen über die Auswirkung von reflektierenden Flächen für den UVI.
  • Gesamteindruck: Sehr umfangreiche App, ausreichende genau, funktionell stimmig.

Mein Fazit:

Beide Apps erfüllen ihren Zweck und informieren uns über den aktuellen UVI in Abhängigkeit vom Aufenthaltsort und Sonnenstand. Beide Apps messen den UVI nicht selbst, sondern greifen dazu auf Datenbanken zurück. Verglichen mit anderen Quellen für UVI-Angaben halte ich sie für hinreichend genau. Untereinander unterscheiden sie sich manchmal um +/- 0,5 UVI Einheiten. Da sie vermutlich auf unterschiedliche Datenquellen zurückgreifen, ist dies nicht verwunderlich.

Die Tatsache, dass beide Apps nur Angaben zur Eigenschutzzeit der ungeschützten (=nicht eingecremten) Haut machen, ohne dabei den LSF der verwendeten Sonnencreme zu berücksichtigen, ist wohl Sicherheitsbedenken geschuldet. Vermutlich soll kein Benutzer der Apps verleitet werden, zu lange in der Sonne zu bleiben.

Achtung! Bei beiden Apps bleibt unklar, dass die Angaben zur Eigenschutzzeit nur 1 x am Tag gelten! Beide Apps machen Angaben, wie lange man, gemäß des aktuellen UVI, Sonnen darf, bis ein Sonnenbrand eintritt. Diese Angaben verändern sich mit dem UVI im Tagesverlauf. Soweit, so gut. Es wird aber nicht darauf hingewiesen, dass man diese Zeit, nur 1 x am Tag in Anspruch nehmen darf. Fälschlicherweise  könnte man schlussfolgern, dass man vormittags die angegebene Zeit X Sonnen darf und um 14 h dann nochmal Y min. Unter Umständen überschreitet die Summe aus  X + Y dann die individuelle Eigenschutzzeit! Also Achtung: die Eigenschutzzeit kann nicht addiert werden!

Eine sinnvolle Ergänzung für beide Apps wäre, wenn man Benutzerprofile einrichten könnte. Hier könnte man dann die unterschiedlichen Hauttypen von z. B. Familienmitgliedern abspeichern. Dann könnte man auch deren Eigenschutzzeit direkt in der App abrufen.

Für Nutzer die es kurz und schnörkellos lieben empfehle ich  UVLens und für alle, die es ausführlicher lieben UV MATE.

Sunface

  • Diese App macht keine Aussage zur UV-Intensität, aber dafür liefert sie eine eindrückliche Darstellung der beschleunigten Hautalterung durch UV.
  • Man nimmt ein Selfie vom Gesicht auf, wählt den Hauttyp und die App lässt uns in 5 Jahresschritten altern.
  • Der Alterungsprozess ist beeinflussbar durch die Auswahl „ Sonnenschutz“, kein „Sonnenschutz“ und „wöchentlich Solarium“. Man wird um Falten, Altersflecken, Hängebacken und krebsartige Wucherungen „bereichert“.
  • Als Zusatz gibt es
    • eine kurze Erklärung zur ABCDE Regel,
    • unter dem Begriff „Erkennen“ eine Auflistung der altersbedingten Veränderungen,
    • und ein paar Hinweise, wie man sich schützen kann.
    • Angaben zum Risiko ein Melanom oder Karzinom zu entwickeln, je nach Sonnenverhalten.
  • Das Selfi ist animiert und hustet in regelmäßigen Abständen. Eine Variante dieser App wurde auch für Raucher entwickelt. Bei „Smokerface“ wird der Alterungsprozess von Rauchern simuliert.
  • Entwickelt wurde die App 2017 von Titus Brinker, einem jungen Assistenzarzt der Hautklinik an der Uniklinik Essen. Seine Intention war, zu zeigen, dass die vermeintliche Steigerung der Attraktivität durch Bräune auf lange Frist ins Gegenteil umschlägt.

Mein Fazit:

Sehr eindrucksvoll, ziemlich scheußlich. Generell sind Vorhersagen über die Zukunft ja bekanntlich schwierig. Die Tatsache aber, dass diese App mit Hilfe von medizinischen Erkenntnissen entwickelt wurde, lässt befürchten, dass das gealterte Ego kein reines Phantasieprodukt ist.

 

 

 

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Über azg 90 Artikel
Hallo, ich bin promovierte Diplom-Biologin mit langjähriger Berufserfahrung im Bereich der Lebenswissenschaften, Sachbuchautorin und Bloggerin.

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