Erhöht eine Gelmaniküre das Hautkrebsrisiko?

UV-Härtung von Nagellack, Gefahr für die Haut?

Die Verschönerung der Nägel durch Gel-Nagellack ist mittlerweile eine weit verbreitete Praxis. Gel Nagellack  ist relativ widerstandsfähig und hält ca. 2 Wochen. So erspart man sich ständiges Nachpinseln.

Nach dem Auftragen trocknet Gel-Nagellack allerdings nicht von selbst an der Luft. Zum Aushärten wird eine UV-Lampe oder LED-Lampe benötigt. Die Energie  der elektromagnetischen Schwingungen (UV-Strahlen oder sichtbares Licht) wird  für die Herstellung von chemischen Bindungen benutzt. Durch diesen Energie Input verbinden sich die  Moleküle im Lack zu langen stabilen Ketten und der Nagellack wird hart.

Die UV-Nageltrockner arbeiten meist mit einem Wellenlängenbereich von 365 – 400 nm, also mit UVA Strahlen. Das relativ breite Spektrum bewirkt, dass mit diesen UVA-Lampen quasi alle Gel-Nagelacke gehärtet werden können.

LED-Nageltrockner erzeugen auch UVA-Strahlung, allerdings mit definierten Wellenlängen wie z. B.  365 nm. Ganz ohne UV-Strahlung funktioniert das Aushärten auch hier nicht. Zusätzlich zur UVA Strahlung benutzen LED Lampen Wellenlängen von z. B. 406 nm. Diese Wellenlänge wird per Definition dem sichtbaren Licht (blauviolett) zugerechnet.   LED-Nageltrockner verkürzen die Trocknungszeit und sparen Energie im Vergleich zu UV-Nageltrocknern. Aufgrund des begrenzteren Wellenlängenspektrums des LED-Nageltrockners können  hier nur spezielle, LED geeignete Nagelgele, gehärtet werden.  

UVA fördert bekanntlich die Hautalterung und erhöht das Hautkrebsrisiko.

Da alle Gel-Nageltrockner mit UVA-Strahlung (und evtl. mit kurzwelligem Licht)  arbeiten stellt sich die Frage: Gehen von diesen Gel-Nageltrocknern Gefahren für unsere Hände aus?

Lesen Sie dazu drei Stellungnahmen:

1) Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2014 kommt zu folgender Einschätzung[1]:

  • 17 UV-Nageltrockner aus unterschiedlichen Nagelstudios in Amerika wurden untersucht.
  • Die UVA Bestrahlungsstärke dieser Geräte variierte stark und war nicht gleichmäßig über den Bestrahlungsbereich verteilt.  Die Mittelwerte aus den 5 Messpunkten pro Gerät ergaben Messwerten zwischen 0,6 bis 15,7 W/qcm gemessen.
  • Die Dosis der UVA Bestrahlung (Bestrahlungsstärke x Dauer der Behandlung) ab der mit Erbgutschäden zu rechnen ist, wird mit  60 J/qcm angenommen [2]. Dieser Richtwert wurde aus einer Studie mit Zellkulturen übernommen. Um diese Dosis zu erreichen müsste man seine Finger 24 bis 625 Monate unter die Lampe halten.
  • Die Autoren folgern: Aufgrund der niedrigen Dosis wird das Risiko  für Schäden gering eingeschätzt. Zur Verringerung des Hautkrebsrisikos und der Hautalterung empfehlen die Autoren trotzdem die Verwendung von Sonnencreme oder das Tragen von Handschuhen (ohne Fingerkuppen) wenn man diese Nageltrockner benutzt.

2) Das Deutsche Krebsforschungszentrum  (DKFZ) meint:

Ich zitiere wörtlich: „Grundsätzlich wird UV-A-Licht als krebserregend eingestuft, allerdings in Abhängigkeit von Dauer und Stärke der Bestrahlung. Je kürzer die Einwirkzeit, desto geringer die Hautschädigung. Trotzdem empfiehlt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes: „Wer nicht auf modellierte Nägel verzichten will, der sollte beim Besuch im Nagelstudio UV-Schutzmaßnahmen ergreifen, um sein Risiko so gering wie möglich zu halten. Verwenden Sie Sun-Blocker oder Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor. Auch fingerlose Handschuhe stellen einen Schutz dar."

3) Das Deutsche Ärzteblatt schreibt 2018 zu diesem Thema

Auch das Deutsche Ärzteblatt diskutiert die Risiken.

Da man für eine Nagelmodellage alle 2-3 Wochen seine Finger ca. 5 Minute
unter die UV-Lampe halten muss, kann das Risiko für weißen Hautkrebs ansteigen. Je nach Lampe kann eine ca. 10 minütige Behandlung der empfohlenen Tagesdosis an UVA Strahlung entsprechen.

Je nach verwendeter UV-Nageltrocknungslampe kann der Schwellenwert zur DNA Schädigung bereits nach 8 Nagelstudiobesuchen überschritten werden.

Auf die ungleiche Verteilung der UVA-Bestrahlung auf verschiedenen
Bereichen des Handrückens wird ebenfalls kritisch gesehen.

Andererseits spricht ein mathematisches Modell für ein geringes
Krebsrisiko: 10 000 bis 100 000 Personen müssen sich regelmäßig der üblichen Behandlung unter einer UV-Nagelhärtungslampe unterziehen bis 1 Person einen Hautkrebs entwickelt.

Es wird empfohlen, die Hände ca. 20 Minuten vor der Behandlung mit
Sonnencreme einzucremen bzw. fingerlose Handschuhe zu tragen.

Mein Fazit:

Die zitierten Untersuchungen zur Schädlichkeit von UV-Trocknungslampe beziehen sich ausschließlich auf das Hautkrebsrisiko. Die Beschleunigung der Hautalterung und die Bildung von Pigmentflecken wurden nicht betrachtet.

Das Risiko für die Entwicklung eines Hautkrebses durch UV-Geltrocknungslampe ist gering.

Da Sie vermutlich die Bestrahlungsstärke des Gerätes nicht kennen, und die Bestrahlung inhomogen ist, raten Experten auch trotzdem zur Vorsicht.

„Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“: Verwenden Sie Sonnencreme mit hohem LSF oder benutzen Sie dunkle, fingerlose Handschuhe!

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Literatur:

[1]          L. R. Shipp, C. A. Warner, F. A.
Rueggeberg, und L. S. Davis, „Further Investigation Into the Risk of Skin
Cancer Associated With the Use of UV Nail Lamps“, JAMA Dermatol., Bd.
150, Nr. 7, S. 775–776, Juli 2014.

[2]          R.
Greinert u. a., „UVA-induced DNA double-strand breaks result from
the repair of clustered oxidative DNA damages“, Nucleic Acids Res., Bd.
40, Nr. 20, S. 10263–10273, Nov. 2012.

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