Die ABCDE-Regel zur Beurteilung von Pigmentmalen

ABCDE-Regel und das hässliche Entchen

Portrait der Autorin Dr. rer.nat. Andrea Zgaga-Griesz
Written by azg

27. Februar 2026

Zuletzt aktualisiert am 22. März 2026

Jedermann kann die Hautkrebsfrüherkennung selbst in die Hand nehmen

Pigmentmale, umgangssprachlich auch Muttermale oder Leberflecke genannt, sind meistens harmlos. Wir kommen damit schon auf die Welt oder sie entwickeln sich im Lauf des Lebens. Pigmentmale und andere Hautveränderungen (z. B. schuppige rötliche Stellen) können aber auch Ausgangspunkt für eine bösartige Entartung  von Zellen (Hautkrebs) sein. Die frühzeitige Erkennung von evtl. bösartigen Veränderungen ist in der Krebsvorsorge das A und O! Deshalb ist die Selbstuntersuchung ein wichtiger Baustein in der Hautkrebsvorsorge.

Für den medizinischen Laien ist es allerdings schwierig, die u. U. zahlreichen und unterschiedlichen Pigmentmale richtig einzuschätzen.  Hier hilf die Anwendung dieser beiden Regeln. Wir können diese Hilfswerkszeuge alle, zuhause, ohne viel Aufwand nutzen.

Die Hässliches-Entchen-Regel

Sie ist schnell erklärt. Ein Muttermal, das sich im Aussehen, sei es in Form, Farbe, Größe, Erhabenheit, Schuppigkeit u. ä. von allen anderen Muttermalen unterscheidet, dies ist das Hässliche-Entchen. Es sollte einem Hautarzt vorgestellt werden.

Die ABCDE-Regel

Sie wurde 1985 von amerikanischen Dermatologen erfunden mit dem Ziel, ein extrem einfaches Werkzeug zu schaffen, das sowohl von Ärzten (die keine Hautspezialisten sind) als auch von Laien im Alltag genutzt werden kann. Vor den 1980er Jahren wurde die Diagnose Hautkrebs oft erst gestellt, wenn ein Tumor bereits blutete oder verkrustet war. Die ABCD-Regel sollte den Fokus auf die Früherkennung schmerzloser, aber optisch auffälliger Veränderungen lenken. Einige Jahre später kam noch das diagnostisch besonders wichtige „E“ für Evolution=Entwicklung dazu.

Vorgehensweise

Untersuchen Sie sich selbst in regelmäßigen Abständen (1 x pro Monat) auf Hautveränderungen.

Am besten betrachten Sie Ihre Haut bei Tageslicht. Benutzen Sie einen Spiegel für die unzugänglichen Stellen. Vergessen Sie die Hand- und Fußflächen nicht, und kontrollieren Sie auch die Haut zwischen den Zehen, die Kopfhaut und die Mundhöhle. Entfernen Sie den Nagellack, auch unter den Nägeln können sich Melanome entwickeln. Für die schlecht einsehbaren Stellen an Ihrem Körper können Sie auch Ihren Partner um Hilfe bitten.

Betrachten Sie die Pigmentmale nach den Kriterien der ABCDE-Regel. Verdächtig ist:

  • A wie Asymmetrie: nicht symmetrisch, beispielsweise nicht rund oder oval
  • B wie Begrenzung: die Ränder sind unregelmäßig, unscharf oder ausgefranst
  • C wie (Color) Farbe: unterschiedlich starke Pigmentierung, mehrfarbig
  • D wie Durchmesser: größer als 2 mm
  • E wie Erhabenheit und Entwicklung: neu entstanden, sich schnell vergrößernd, erhaben auf sonst flachem Untergrund.

Anschauliche Vergleichsbilder, was unter den Punkten ABCDE gemeint ist, finden Sie auf der Seite von DocCheck Flexikon.

Trifft eines der obigen Merkmale auf ein Pigmentmal zu, besuchen Sie Ihren Haus/Hautarzt. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn ein Pigmentmal plötzlich anfängt zu jucken oder zu bluten.

Nutzen Sie zusätzlich in jedem Fall das gesetzliche Hautkrebsscreening bei einem erfahrenen Hausarzt bzw. Hautarzt. In Deutschland finanzieren die Krankenkassen ab dem 35. Lebensjahr alle 2 Jahren diese Hautkrebsvorsorgeuntersuchung.

Was sagt die Forschung zur Genauigkeit der Selbstuntersuchung?

Die Datenlage zur Genauigkeit der Selbstuntersuchung ist umfangreich. Sie zeigt eine deutliche Schere zwischen der Fähigkeit, ein Melanom als solches zu erkennen (Sensitivität) und der Fähigkeit, ein harmloses Mal korrekt als solches zu identifizieren (Spezifität) (Tsao et al 2015).

Laien haben besonders oft Schwierigkeiten, frühe Melanome von harmlosen, aber unregelmäßigen Muttermalen zu unterscheiden.

Hausärzte liegen in der Treffsicherheit zwischen Laien und Spezialisten. Studien zeigen, dass eine kurze Schulung in der ABCDE-Regel die Sensitivität bei Hausärzten signifikant steigert, die Spezifität (Vermeidung unnötiger Überweisungen) aber oft niedrig bleibt (Gonna et al 2021/2023).

Viele frühe Melanome sind kleiner als 6 mm und fallen damit beim Punkt „D“ (Durchmesser) durch das Raster.

Besonders aggressive, schnell wachsende Melanome (noduläre Melanome) sind oft perfekt symmetrisch und einfarbig, was die ABCDE-Regel fast komplett aushebelt.

In der Literatur wird betont, dass für Laien das Kriterium E (Veränderung) das wichtigste ist. Ein Mal, das sich verändert, hat eine höhere diagnostische Relevanz als eines, das lediglich groß (D) oder asymmetrisch (A) ist.

Fazit

Für Laien bleibt die ABCDE-Regel ein wertvolles Warnsystem, wenn auch mit obigen Einschränkungen. Sie sollte immer durch das „Hässliche Entlein“-Prinzip ergänzt werden. Auffällige Muttermale, auf jeden Fall dem Dermatologen vorstellen (Cochran Review 2018/2024). Dieser hat A) Erfahrung und B) verschiedene diagnostische Möglichkeiten die Sensitivität und die Spezifität deutlich zu erhöhen.

Literatur

  1. Cochrane Review (2018/2024):Visual inspection for diagnosing cutaneous melanoma in adults.
  2. Tsao H, et al. (2015):Early detection of melanoma: reviewing the ABCDEs. (Journal of the American Academy of Dermatology).
  3. Gonna N, et al. (2021/2023):Sensitivity and Specificity for Skin Cancer Diagnosis in Primary Care Providers.

 

 

Autorenbox - Wer schreibt hier?

azg

Mit einer Promotion in Biologie und jahrzehntelanger Berufserfahrung in den Life Sciences steht Dr. rer. nat. Andrea Zgaga-Griesz für wissenschaftliche Präzision im digitalen Raum. Sie ist erfolgreiche Sachbuchautorin und teilt ihr Fachwissen als Bloggerin sowie als Expertin für Schulungen gemäß UV-Schutzverordnung. Hier schreibt sie über risikoarmes Bräunen und verwandte Themen aus der Welt der Biologie und Physik

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